Umständliches

Heute Morgen war wieder so ein Morgen. Bis zum Frühstück – Toast mit Ei – lief es eigentlich ganz gut. Doch dann ging es auch schon los. Kaum hatte ich mich vom Frühstückstisch erhoben und das Geschirr ordnungsgemäß in die Spülmaschine geräumt, waren sie da: Umstände. Vor mir, hinter mir, neben mir, überall waren Umstände. Es war zum Haareraufen, ich war umringt von Umständen. Mit Umständen ist das so eine Sache. So lange sie weit genug weg sind, dass man sich wenigstens in einen Sessel setzen kann, stören sie ein wenig die Aussicht, lassen sich aber wunderbar ignorieren. Haben sie einen aber erstmal richtig eingekreist und man steht schulbuseingequetscht gerade wie ein Besenstiel in ihrer Mitte, dann wird es unfein. So versuchte ich auch diesmal, in der Hoffnung dahinter die Freiheit weiter Felder mit endlosem Horizont zu finden, mich zwischen zwei Umständen hindurch zu winden. Nur musste ich auf der anderen Seite feststellen, dass sich nichts verändert hatte. Hinter den Umständen standen neue Umstände und dahinter noch weitere.

Mich beschlich der Verdacht, würde ich auf eine Leiter steigen, um über die Umstände hinwegzusehen, würde ich eine endlose graue Masse von Umständen sehen. Im Grunde kugelig, jedoch ständig aus der Form wabernde Umstände, jeder in einem eigenen Grauton. Es gibt ja auch unzählige Umstände: Große Umstände, kleine Umstände, innere Umstände, äußere Umstände. Die schlimmsten sind mitunter Umstände, die keine machen wollen. Bei unter Umständen hingegen weiß man nie so genau. Nur, wenn jemand in anderen Umständen ist, sind es meist glückliche Umstände – wenn nicht, werden die anderen Umstände schnell zu widrigen Umstände. Und wie ich nun so inmitten all dieser nie endenden Umstände stand, dachte ich: Es wäre wohl besser gewesen, am Frühstückstisch sitzen zu bleiben.

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