Kulturmetzgerei – Was ich las, sah und hörte

Was ich las

Seethaler – Der Trafikant

„Ein ganzes Leben“ von Seethaler gehörte zum Besten, was ich im letzten Jahr gelesen habe, Beim Trafikanten war ich trotz allem skeptisch. Aber das ist Christine Westermann schuld. Denn auf dem Klappentext empfiehlt Christine Westermann das Buch. Nun scheinen Christine Westermanns und mein Literaturgeschmack um zwei verschiedene Planeten zu kreisen. Immer wenn ich in der Vergangenheit ein Buchgeschenkt bekam, das Frau Westermann empfahl-  meist von Omas, Müttern oder Tanten mit den Worten „Das hat die Westermann empfohlen, das hörte sich toll an“ – verschwand es in der Regel im Regal der nicht zu Ende gelesenen Bücher.  Beim Trafikanten regte sich aber ein Hoffnungsschimmer, weil Gerhard Polt Seethaler in eine Reihe mit Alfred Polgar stellte. Und Polgar ist allerfeinste Lesekost. Langer Rede kurzer Sinn: Polt hat gewonnen und Frau Westermann sich scheinbar in der Literaturgalaxy geirrt,

Also eine absolute Leseempfehlung.

Vea Kaiser – Blasmusikpop oder wie die Wissenschaft in die Berge kam

Feines Buch. Voller schräger Figuren und Situationen. So wie ich es mag. Lässt sich bestimmt gut im Urlaub lesen. Obwohl, ein gutes Buch kann man überall und immer lesen. Eigentlich bin ich gerade noch auf den letzten Seiten und es sind Fragen offen: Wird Johannes A. Irrwein die schöne Simona doch noch besänftigen können und kommt es zum großen Kulturschock beim Spiel des Dorfvereins gegen den FC St. Pauli?

Was ich hörte

Tucholsky – Schloss Gripsholm gelesen von Jürgen Bartsch

Schon gelesen fand ich den Text zum Niederknien. Eine Sprache wie ein Zitronenbaiser, locker luftig, leicht mit frischem Nachgeschmack. Tucholsky Du alte Sau, bei Sätzen wie „Wir fassten und mit den Augen bei den Händen“ oder „Nun saß ich auf dem Sofa und beleuchtete alle Schaufenster meines Herzens“ wird sogar mir altem Grisgram ganz lyrisch zu mute. Wenn man das Buch dann auch noch vorgelesen bekommt. Hach.

Moers – Rumo gelesen von Dirk Bach

Wie schon bei der „Stadt der träumenden Bücher“. Wenn Bach Moers liest, dann tun sich ganz neue Welten auf. Es ist schon interessant, Eine ganz andere Art ein Buch zu erleben.

La Brass Banda

Schon wieder Alpenvölker. Leider bekam ich sie nur im Rahmen der Lit.Cologne zu sehen und ich verstehe bis heute nicht, wie sie bislang an mir vorbeigehen konnten. Ich mag sie.

Was ich sah

Cyrano de Bergerac

Alter Stoff in die Neuzeit übertragen. Allerfeinstes Popkorntheater, Laut schnell, lustig, tragisch, dramatisch. Hervorragend gespielt. An manchen Stellen hätte man sich nur gewünscht, dass der Kahlschlag an der alten Sprache nicht gar so heftig ausgefallen wäre, einfach weil die Sprache so fein ist. Auf jeden Fall eine Guckempfehlung.

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