Kulturmetzgerei – Was ich las, sah und hörte

Was ich las

Pynchon – Die Enden der Parabel

Hui, was für ein Buch. Es braucht etwas, bis man sich in die Sprache und den Stil eingeschunkelt hat, aber dann möchte man es nicht mehr aus der Hand legen. Habe ich auch lange nicht gemacht. Über 1.000 Seiten in sehr kleiner Schrift sind schon ein Brett. Dafür sind die 1.000 Seiten wie eine nicht enden wollende Expedition und typisch Pynchon. Figuren und kuriose Geschichten tauchen auf, verschwinden und tauchen an anderer Stelle wieder auf. Erzählstränge wechseln sich mit Traumebenen ab und zwischenzeitlich weiß man nicht so genau, wo man ist. Aber irgendwie ist das auch nicht so schlimm, denn selbst wenn man meint, den Faden verloren zu haben, findet man sich immer in einer so skurrilen und faszinierenden Geschichte wieder, dass man das gerne in Kauf nimmt. Es gehört einfach zum Leseerlebnis dazu. Außerdem taucht irgendwann immer ein Erzählstrang auf, der einen auf bekannten Wegen weiterleitet. In dieser Hinsicht schadet es nicht, wenn man vorher den Wikipedia-Eintrag zu dem Buch liest, dann hat man zumindest einen groben Rahmen der Handlung. Vielleicht kein Buch zum Einstieg in Pynchons Literatur aber eine absolute Leseempfehlung. Ich fand es großartig,

Julie Zeh – Unterleuten

Unterleuten habe ich ein paar Tage später angefangen, nachdem ich Die Enden der Parabel aus der Hand gelegt hatte. Im ersten Moment hatte ich dabei das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen. Das lag aber in erster Linie an Julie Zehs sehr sachlichem Stil, der dem überbordenden Erzählstil und Ideenreichtum von Pynchon nichts entgegenzusetzen hat. Das heißt aber nicht das Untereuten schlecht erzählt ist. Im Gegenteil, es ist nur anders. Die Geschichte entfaltet seinen Charme in den sehr pointierten Charakterstudien. Außerdem erzählt das Buch eine Geschichte, die mal nicht von irgendeinem Todkranken handelt, der aber ganz toll mit seinem Leiden und Leben umgeht und am Ende trotzdem stirbt. Unterleuten spielt im Gegensatz zu vielen anderen Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe im Hier und Jetzt und das gut. Manchmal schadet es auch nicht, wenn man sein Handy oder ein Tablet zu Hand hat, denn viele der Figuren und vorkommenden Webseiten gibt es tatsächlich im Netz.

Martin Suter – Elefant

Nett. Ein bisschen wie eine leichte Serie im Fernsehen. Guckt man sich ja ab und an auch mal ganz gerne an. Und einen kleinen rosa Elefanten gibt es auch nicht in jeder Geschichte.

Thomas Bernhard – Alte Meister

Ein nicht enden wollender Monolog, aber nichtsdestotrotz großartig. Alleine der Rhythmus der Sprache ist trägt einen schon durch das Buch

 

Was ich hörte

Sven Regener – Herr Lehmann – Von Ihm selber gelesen.

Lang her, dass ich es las. Ein Buch wie ein nicht enden wollendes Kneipengespräch nachts um halb Drei Anfang der 90er. Nicht selten, dass es Momente beim Hören gab, in denen mich der Text zurück durch die Zeit geschossen hat. Damals als man kein Handy hatte und einfach durch die Kneipen zog, um mal zu sehen, wer so da war. In den meisten Kneipen arbeiteten so oder so Kumpels, die man von Zivildienst, Schule oder Partys kannte und eigentlich landete am Ende alle in den Kneipen, die noch nach Eins offen hatten.

Gabriel Garcia Marquez – 100 Jahre Einsamkeit

Eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Als es endlich als Hörbuch herauskam, habe ich mich gefreut wie Bolle und ich habe jede Minute Autofahrt genossen, in der ich es gehört habe. Unbeschreiblich. Man muss dieses Buch gelesen oder gehört haben. Im Übrigen auch eins der Probleme, das ich mit Julie Zeh hatte. Garcias Sprache und Einfallsreichtum, da kann kaum ein anderer Autor gegen anstinken.

Max Goldt – Für Nächte am offenen Fenster

Max Goldt ist Max Goldt. Entweder mag man seine Geschichten oder nicht. Ich mag sie.

 

 

Was ich sah

Das war eine Menge, deshalb nur ein paar Stichworte zu einzelnen Veranstaltungen:

Alvin Ailey American Dance Theater – Philharmonie Köln

 

Mary Page Marlow – Depot 1 Köln

Gut inszeniert. Lohnt sich

mehr hier: Schauspiel Köln

 

Von Monet bis Kandinsky – Video Installation

Ein Augenschmaus.

 

Don Quijote – Depot 1 Köln

Yieehaa. Eine quitschibunte Inszenierung voller Popkultur-Zitate inklusive Jedi-Ritter. Manchmal war mir nicht klar, ob die Schauspieler einfach improvisiert haben. Immer wieder konnten sie nur schwer einen Lachanfall verbergen, aber das machte das Stück aus.

mehr hier: Schauspiel Köln

 

 

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