Archiv der Kategorie: Unsinn

Umständliches

Heute Morgen war wieder so ein Morgen. Bis zum Frühstück – Toast mit Ei – lief es eigentlich ganz gut. Doch dann ging es auch schon los. Kaum hatte ich mich vom Frühstückstisch erhoben und das Geschirr ordnungsgemäß in die Spülmaschine geräumt, waren sie da: Umstände. Vor mir, hinter mir, neben mir, überall waren Umstände. Es war zum Haareraufen, ich war umringt von Umständen. Mit Umständen ist das so eine Sache. So lange sie weit genug weg sind, dass man sich wenigstens in einen Sessel setzen kann, stören sie ein wenig die Aussicht, lassen sich aber wunderbar ignorieren. Haben sie einen aber erstmal richtig eingekreist und man steht schulbuseingequetscht gerade wie ein Besenstiel in ihrer Mitte, dann wird es unfein. So versuchte ich auch diesmal, in der Hoffnung dahinter die Freiheit weiter Felder mit endlosem Horizont zu finden, mich zwischen zwei Umständen hindurch zu winden. Nur musste ich auf der anderen Seite feststellen, dass sich nichts verändert hatte. Hinter den Umständen standen neue Umstände und dahinter noch weitere.

Mich beschlich der Verdacht, würde ich auf eine Leiter steigen, um über die Umstände hinwegzusehen, würde ich eine endlose graue Masse von Umständen sehen. Im Grunde kugelig, jedoch ständig aus der Form wabernde Umstände, jeder in einem eigenen Grauton. Es gibt ja auch unzählige Umstände: Große Umstände, kleine Umstände, innere Umstände, äußere Umstände. Die schlimmsten sind mitunter Umstände, die keine machen wollen. Bei unter Umständen hingegen weiß man nie so genau. Nur, wenn jemand in anderen Umständen ist, sind es meist glückliche Umstände – wenn nicht, werden die anderen Umstände schnell zu widrigen Umstände. Und wie ich nun so inmitten all dieser nie endenden Umstände stand, dachte ich: Es wäre wohl besser gewesen, am Frühstückstisch sitzen zu bleiben.

Bossa Nova am Bochumer Bahnhof

Auguste und der Damen-Club 15„Bochum hat einen sehr guten Ruf in der Tanzsportszene“. Ich musste kurz stutzen, als dieser Satz aus dem Radio herausfiel und dekorativ auf dem Tisch liegen blieb. Der Satz kam etwas überraschend. Eigentlich hatte ich dem Radio bis dahin keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Aber ab und an passiert so etwas mit Sätzen. Sie reißen sich aus ihrem Zusammenhang und liegen plötzlich vor einem rum, so dass man nicht umhinkommt, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Manchmal weiß man noch nicht einmal genau, wo sie herkommen. Erst kürzlich muss ein Satz beim Einkauf in meine Tasche gefallen sein. Ansonsten kann ich mir nicht erklären, wo „Ich hätte gerne hundert Gramm geräuchert“ herkam.

Nun also Bochum und sein Ruf in der Tanzsportszene. Vielleicht fiel mir der Satz aber auch vor die Füße, weil er mich an eine Episode am Bochumer Bahnhof erinnerte, die ich erfolgreich verdrängt hatte. Sie war einfach zu verstörend. Eigentlich begann alles recht harmlos. Ich war auf dem Weg zu einem geschäftlichen Termin eben im Bahnhof angekommen, stand nun, noch ziemlich verschlafen, auf dem Bahnsteig und wartete auf meinen Anschlusszug. Bossa Nova am Bochumer Bahnhof weiterlesen

Genitalien in Texten

Bild: Old Eroric Art

Ich mag keine Genitalien in Texten. Oder präziser: Ich mag keine merkwürdigen Gedanken, literarische Bilder von Praktiken mit Genitalien in Texten. Da kann die Sprache des Autors noch so gewaltig sein, merkwürdige Praktiken mit Genitalien in Texten sind meist langweilig, wenn nicht überflüssig. Ich meine noch nicht einmal die gepflegte Onanie oder den Geschlechtsakt, unabhängig von seiner Spielart, als solches. Ich meine Texte wie den einen, den ich kürzlich las. In diesem Text erwachte der Protagonist mitten in der Nacht und hatte den unerklärlichen Drang, in eine Baugrube zu steigen und seinen entblößten Unterleib, ummalt von den tosenden Worten des Autors, in den feuchten Morast der Baugrube zu drücken. Vereinfacht ausgedrückt, er hat seinen Löres mal tief in die Mocke gehalten. Nun ist da nichts gegen einzuwenden, den Löres in die Mocke zu halten, aber wieso in einem Text? Für den Autor scheint der Hoden im Morast Ausdruck eines Auf-, Um- oder Abbruchs, eines absoluten Tief- oder Höhepunktes in einer besonderen Lebenssituation zu sein. Was er letztlich ja auch sein muss, denn merkwürdige Gedanken zu Genitalien sollen ja ein starkes Bild sein. Als Metapher für die simple Beschreibung eines Einkaufs eignen sie sich weniger. Wenn man schreiben würde: Frau Müller hat Gefrierbrand an den Möpsen, weil ihr beim Einkaufen die Brust in die Kühltheke fiel, so mag das komisch sein. Es hat aber keinen weiteren Wert und bringt die Geschichte, ebenso wenig wie der Löres in der Mocke, in den seltensten Fällen voran. Wie gesagt, ich finde das blöd. Jeder mag seine Genitalien in Torten, Sumpflandschaften oder die Kühltheken halten wie er will, aber er soll sie bitte nicht in Texte halten, die ich lese. Danke!

Margot will tanzen

Quelle: TheCosbinator

Tatsächlich suchen wir doch immer die Lücken in dieser Welt, um sie mit unserer Vorstellungskraft auszufüllen. Selbst in die feinsten Haarrisse gießen wir die Idee hinein, wie wir das, was wir nicht wissen, gerne hätten. So sitzt jeder von uns in seinem eigenen bisschen Welt – diesem bunten Patchwork aus dem was ist, wenn denn was ist, und dem, was er sich vorstellt. Eigentlich ist es so wie mit Frau Schmidt, der Frau von Gegenüber.

„Guten Morgen Frau Schmidt“

Guten Morgen Herr Amaot“

„Wollen sie mich heiraten?“

„Heute nicht, heute ist es mir ein bisschen lästig“

„Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag, Frau Schmidt“

„Ich ihnen auch, Herr Amaot. Und fragen sie doch beizeiten noch einmal nach, vielleicht passt es da besser“

Mehr sprachen wir selten bei unseren Treffen im Hausflur. Dabei hatte Frau Schmidt ein sehr aufgeräumtes Gesicht und war von einer recht ordentlichen Schönheit. Ich ging immer davon aus, dass sie ihre Topfpflanzen pünktlich gießen würde.

Doch dann traf ich sie eines Nachts in einer Eckkneipe. Margot will tanzen weiterlesen

Im Schleudergang brennt noch Licht

Bild via Space Ghost Zombie

Ich trage mich mit dem Gedanken, ein Buch zu schreiben. Machen ja gerade irgendwie alle, die ein bisschen schreiben können und sonst nicht wissen, was sie tun sollen. So ein Buch muss natürlich gut vorbereitet werden. Deshalb habe ich vorher mal recherchiert. Beste Chancen haben im Moment vor allem Frauenbücher. Männer lesen ja nicht, nur Frauen. Wenn Männer lesen, dann Krimis oder Biographien von großen Persönlichkeiten, die sie selber nicht sind, aber gerne wären. Frauen lesen eher Liebesgeschichten. Die werden auch viel besser verkauft. Deshalb schreibe ich auch eine Liebesgeschichte. Ein Melodram. So eins, das Männer dann heimlich lesen und ein bisschen weinen können. Den Titel habe ich auch schon: „Im Schleudergang brennt noch Licht“

Eine handelsübliche Unterhose führt, so wie Millionen andere Unterhosen auch, ein recht langweiliges Leben. Sie wird angezogen, verschwindet unter einer Hose im Dunklen, wird gewaschen und landet dann im Schrank, bis sie wieder angezogen wird. Eines Tages lernt die Unterhose im Schrank eine wunderschöne Damenstrumpfhose kennen und verliebt sich sofort in ihre langen schlanken Beine. Im Schleudergang brennt noch Licht weiterlesen